Grundschulen als ganztätige inklusive Bildungseinrichtungen brauchen finanziell und personell eine bessere Ausstattung

Wenn man heute über die Situation von Grundschulen redet, kommt man an folgenden Fakten nicht vorbei:

•Die gesellschaftlichen Erwartungen und die zusätzlichen Aufgaben und Belastungen haben an keiner Schulform in den zurückliegenden Jahren so zugenommen, wie an Grundschulen. Und es ist absehbar, dass mit der Umsetzung von Inklusion und Integration und Ganztagsangeboten noch weitere große Herausforderungen warten.
•An keiner anderen Schulform ist der Prozentsatz von Frauen so viel höher als der von Männern, die Eingruppierung und gesellschaftliche Wertschätzung aber deutlich schlechter als an allen anderen Schulformen.
•Grundschulen als die einzigen „Schulen für alle Kinder“ beweisen tagtäglich, dass auch ohne Selektion eine hervorragende Bildungsarbeit geleistet werden kann.
•Der Pakt für den Nachmittag, bringt zwar mehr Betreuungszeit an Grundschulen, hat aber mit einem kindgerechten Ganztagskonzept, das eine Rhythmisierung des Unterrichts zur Zielsetzung hat, nur wenig zu tun.

Bislang lässt die gesellschaftliche Wertschätzung und die Lobbyarbeit für Grundschulen leider zu wünschen übrig. Entgegen Erkenntnissen und Forderungen von Bildungsforschern wird die Arbeit von Grundschullehrkräften – ebenso wie die von Erzieherinnen und Erziehern – leider immer noch als weniger qualifiziert als die von Lehrkräften an weiterführenden Schulen eingestuft wird. Hier sehe ich perspektivisch Handlungsbedarf was eine Höhergruppierung von Grundschullehrkräften anbelangt.

Es gibt keine Initiative des Kultusministers mit der Zielsetzung einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen an Hessischen Grundschulen – im Gegenteil: die Arbeitsbelastung nimmt immer weiter zu. Klagen von Lehrerverbänden prallen offensichtlich ebenso an dem Kultusminister ab, wie Überlastungsanzeigen, Funktionsstellenrückgaben und Schwierigkeiten bei der Besetzung von Funktionsstellen.

Diese Problematik kommt doch nicht von ungefähr: Grundschulen müssen sich mit immer neuen Herausforderungen auseinandersetzen, ohne die dafür notwendigen Gestaltungsräume zu erhalten. Die zur Verfügung gestellten Deputatstunden reichen nicht annähernd aus, Schulleitungsaufgaben gerecht zu werden. Selbst an kleinen Grundschulen ist Schulleitung mit einem enorm gewachsenen Verwaltungsaufwand verbunden. Und die etwas bessere Vergütung steht in keinem Verhältnis zu dem mit einer Rektor- oder Konrektorenstelle verbundenen zeitlichen Mehraufwand.

Wer anerkennt, dass die Aufgabenkomplexität an Grundschulen auch in Zukunft weiter zunehmen wird, muss konsequent an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Arbeit an Grundschulen arbeiten und bereit sein, in der politischen Praxis dahingehend auch die notwendigen Schritte zu gehen. Wer es ernst damit meint mehr Bildungsgerechtigkeit herzustellen und Kindern unabhängig vom Elternhaus bestmögliche Bildungschancen zu geben, muss auch, die dafür nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Die gesellschaftlichen Herausforderungen der Verwirklichung von Inklusion im Sinne der UN- Menschenrechtskonvention, der Integration von Flüchtlingskindern und der Umbau von Grundschulen zu rhythmisierten Ganztagsschulen erfordern nicht nur leere Versprechungen, sondern einen klaren Zeit,- Ressourcen- und Finanzierungsplan. „Und hier sind auch die Regierungsfraktionen gefordert, sich endlich einem gesellschaftlichen Diskurs zu stellen,